Loslassen Teil 1 (4/2018) Oft   halten   wir   innerlich   an   unseren   Problemen   fest,   weil wir   sie   als   Schutzpanzer   sehen.   Wir   haben   Angst   davor, den     nächsten     Entwicklungsschritt     zu     machen     und suchen   nach   Ausreden   („Ich   kann   keine   neue   Beziehung eingehen.    Nicht    nach    all    dem    Chaos,    welches    ich    in meiner   letzten   Beziehung   erlebte.“).   Das   „Behaftetsein“ mit    vergangenen    Krisen    und    Traumatas    (ob    bewusst oder    unbewusst),    ist    der    Grund,    warum    zahlreiche unangenehme   Dinge   auch   heute   noch   präsent   sind   in unserem   Leben.   Unzufriedenheit   aufgrund   vergangener Geschehnisse wirkt wie ein Gummiseil, das uns immer wieder in den disharmonischen Zustand zurück zieht. „Die Vergangenheit sollte ein Sprungbrett sein, nicht ein Sofa.“  (Harold Macmillan) Der   nächste   Schritt   besteht   somit   im   LOSLASSEN.   Es   ist   wie   mit   einem   vollen   Glas   Wasser.   Man   kann   es nicht   mit   neuem,   frischem   Wasser   füllen.   Zuerst   muss   man   das   alte,   abgestandene   Wasser   ausschütten.   Wenn wir   das   Alte   nicht   loslassen,   dann   entsteht   eine   Art   Stau,   ein   innerer   Druck.   Wir   sollten   dabei   alle   nach folgender Devise gehen: „Kann ich ein Problem nicht lösen, löse ich mich vom Problem.“ Dazu    gehört    auch,    sich    von    Erwartungshaltungen    zu    lösen.    Nehmen    wir    als    Beispiel    die    Erwartung, unbedingt   ein   Kind   haben   zu   müssen.   Zahlreiche   Frauen   sehen   ungewollte   Kinderlosigkeit   als   schwere   Krise an,    wohingegen    Psychologen    solche    Phasen    als    „Sollbruchstellen“    der    menschlichen    Seele    betrachten.    In diesen   Phasen   befasst   man   sich   mit   sich   selbst,   ergründet,   warum   der   unerfüllte   Wunsch   so   schmerzt   und   wie man   trotzdem   weiter   leben   kann.   Das   lässt   solche   Frauen   aus   psychologischer   Sicht   reifen   und   das   eigene Leben   neu   überdenken.   Man   lernt   loszulassen,   man   lernt   den   JETZT-Zustand   anzunehmen,   man   lernt   das Leben   anders   zu   begreifen.   Hilfreich   ist   es   dabei   für   die   Frauen   mit   dem   Kinderwunsch,   an   einen   unerfüllten Wunsch   aus   der   Vergangenheit   zu   denken,   worüber   man   heute   froh   ist.   Und   oft   ist   es   dann   so,   dass,   nachdem man   seinen   Frieden   mit   der   Realität   gemacht   hat,   es   dann   doch   zu   einer   Schwangerschaft   kommt.   Man   schafft durch   das   innerliche   Loslassen   eine   gewisse   Leere,   denn   etwas   Neues   will   zu   uns   kommen   und   das   braucht Platz   und   Raum,   damit   es   uns   „er-FÜLLEN“   bzw.   ausfüllen   kann.   Jede   Leere,   jedes   Vakuum   möchte   gefüllt werden. Im   Taoismus   wird   die   innere   Leere   als   sehr   nützlich   angesehen   und   mit   einem   Blasebalg   verglichen,   der   leer ist,   aber   unerschöpflich   durch   seine   Bewegung   ständig   etwas   Neues   hervorbringt.   Und   dadurch,   dass   wir   leer sind,   können   wir   Lösungen   für   unsere   Problemlagen   empfangen.   Wären   wir   immer   noch   „voll“,   dann   ginge das   nicht.   Ich   selbst   war   einmal   in   einer   Beziehung,   deren   Zeit   eigentlich   schon   längst   abgelaufen   war,   aber weil   ich   Angst   vor   dem   Alleinsein   hatte,   hielt   ich   an   ihr   fest.   Das   Ergebnis:   Ich   war   unglücklich,   stumpfte innerlich   ab   und   verließ   diese   Beziehung   zu   guter   Letzt   doch.   Danach   war   ich   Single   und   hatte   Angst,   eine neue Beziehung einzugehen. Aber nichtsdestotrotz muss es im Lebensfluss zu Veränderungen kommen. Es   gibt   den   Schritt   zurück   nicht,   der   Fluss   fließt   nur   in   eine   Richtung.   Unsere   Entwicklung   schreitet   ständig voran,   wir   sind   heute   nicht   derselbe   Mensch   wie   gestern.   Der   gestrige   Tag   existiert   nicht   länger,   es   gibt immer   nur   das   JETZT,   jeder   einzelne   Lebensmoment   ist   ein   „point   of   no   return“,   man   verlässt   immer   wieder die   bisherige   „Heimat-Zone“,   die   uns   so   vertraut   und   familiär   vorkommt.   Das   ganze   Leben   ist   ein   ständiges Loslösen   von   Gewohntem   und   Bekanntem   –   und   das   fällt   den   meisten   Menschen   nicht   leicht   (selbst   dann, wenn   das   Gewohnte   uns   vielleicht   das   Leben   schwer   macht,   so   wie   z.B.   eine   unglücklich   machende   Beziehung oder ein Job, der nicht zu uns passt). „Es   ist   anstrengend,   etwas   Neues   zu   entdecken.   Also   ziehen   wir   es   vor,   zu   bleiben,   wie   wir   sind.   Und   da   liegt   die eigentliche Schwierigkeit.“  (Krishnamurti) Das   ganze   Leben   besteht   aus   Annehmen   (die   Gegenwart)   und   Loslassen   (die   Vergangenheit).   Denken   wir dabei   nur   Mal   ans   Ein-   und   Ausatmen.   Halten   wir   die   Luft   an,   ersticken   wir.   Ebenso   können   wir   nicht   ewig einatmen.   Menschen,   Dinge,   Umstände,   Gedanken,   Gefühle,   Ansichten,   Meinungen   und   Glaubensmuster   sind wie   der   Atem:   Sie   kommen   und   gehen.   Wir   können   nichts   ewig   behalten,   irgendwann   müssen   wir   es   ja   doch loslassen.   Und   halten   wir   uns   dabei   vor   Augen,   dass   dies   ein   Naturgesetz   ist.   Alles,   was   natürlich,   alles   was echt   ist,   ist   vergänglich   und   geht   irgendwann.   Nur   das   Unechte   besteht   in   der   ewig   gleichen   Form.   Echte Blumen blühen und verwelken, Kunstblumen bleiben gleich. Eine   Möwe   erhob   sich   in   den   Himmel;   im   Schnabel   hatte   sie   ein   Stück   Fleisch.   Andere   Möwen   erspähten   den Leckerbissen   im   Schnabel   ihrer   Kameradin   und   verfolgten   sie,   um   ihr   das   Fleisch   abzujagen.   Erbittert   wurde die   Möwe   angegriffen.   Schließlich   ließ   sie   das   Fleisch   fallen;   die   Verfolger   ließen   von   ihr   ab   und   flogen kreischend   dem   Bissen   nach.   Die   Möwe   atmete   auf   und   sagte:   „Jetzt   ist   es   friedlich   hier   oben.   Der   ganze Himmel gehört mir.“ Dieses   „Märchen“   hat   einen   tiefen   und   wahren   Kern.   Es   verdeutlicht   auf   eindrucksvolle   Weise,   wie   sehr   wir oftmals   an   etwas   festhalten,   was   unser   Lebensglück   behindert.   Wie   oft   finden   wir   uns   in   Situationen   wieder, in   denen   es   uns   inneren   Frieden   bringen   würde,   wenn   wir   einfach   nur   loslassen   würden?   Und   Fakt   ist,   dass wir   alle   das   lernen   können,   denn   wir   alle   konnten   es   einmal.   Schau   Dir   Kleinkinder   an.   In   der   einen   Minute lachen   sie,   dann   weinen   sie   und   dann   lachen   sie   wieder.   Für   Kinder   entsteht   die   Welt   in   jedem   einzelnen Augenblick   vollkommen   neu,   sie   sind   präsent   im   gegenwärtigen   Augenblick   und   lassen   alles   Vergangene   los. Wenn   sie   vor   zwei   Minuten   noch   geweint   haben   und   jetzt   in   der   Lage   sind   herzlich   zu   lachen,   dann   können sie   das   nur,   weil   sie   das   Erlebnis   vor   zwei   Minuten   vollständig   losgelassen   haben.   Ein   Kleinkind   lebt   alle Gefühle authentisch und lässt sie aus sich raus, und somit lässt es sie auch los. „Die meiste Zeit wird damit vergeudet, festzuhalten, was man längst verloren hat.“  (Pablo Picasso) Wenn    ich    etwas    zu    verlassen    beabsichtige,    was    mich    schwingungsmäßig    runter    zieht    (Beziehung,    Job, Wohnung   usw.),   dann   nehme   ich   mir   zuerst   vor,   meine   Schwingung   so   zu   gestalten,   dass   ich   mich   von   den belastenden   Dingen   „in   Frieden   und   Freude“   trennen   kann.   Geht   also   eine   Beziehung   in   die   Brüche,   dann   gibt es   keinen   handfesten   Krach,   sondern   mein   Ex-Partner   und   ich   bleiben   Freunde   (oder   zumindest   sind   wir keine   Feinde).   Ich   möchte   positiv   schwingen   und   keinen   seelischen   Ballast   mitnehmen,   denn   das   wären schlechte   Voraussetzungen   für   einen   positiven   Neuanfang.   Wenn   ich   also   in   der   Lage   bin,   meine   Schwingung zu   harmonisieren   (z.B.   mit   Hilfe   von   Salzwasser-Tanks,   Meditation,   Chi-Maschine,   Entspannungsmassagen, Spaziergängen   in   der   Natur,   Treffen   mit   Freunden…),   dann   kann   ich   mich   auch   mit   der   gegenwärtigen Situation besser anfreunden und leichter vorwärtsschreiten. „Wer den Fluss überquert, muss die eine Seite verlassen.“  (Gandhi) Loslassen   klingt   so   einfach,   aber   die   meisten   Menschen   tun   sich   schwer   damit.   Wie   lässt   man   etwas   los,   woran man festhalten will? Folgende Atemübung hat mir sehr geholfen: 1.) Atme   ganz   normal.   Dann   denke   an   etwas,   was   Du   unbedingt   behalten   und   unter   keinen   Umständen loslassen   möchtest.   Atme   tief   ein   und   dann   halte   den   Atem   an,   solange   es   Dir   möglich   ist.   Diese   Übung wiederhole   bitte   dreimal.   Sie   suggeriert   Deinem   Unterbewusstsein,   dass   Blockaden   jeglicher   Art   Dir nicht   gut   tun.   An   etwas   festhalten   ist,   als   würde   man   den   Atem   anhalten   -   es   ist   zu   100%   disharmonisch. Der   Atemfluss   steht   für   den   Lebensfluss   und   der   will   ungehindert   fließen.   Ich   nehme   in   diesem   ersten Schritt   mein   Festhalten   innerlich   an   und   sage   mir,   dass   ich   mich   liebe   und   achte,   auch   wenn   ich   an Vergangenem   festhalte.   Ich   verurteile   mich   nicht   dafür   und   sage   mir,   dass   ich   okay   bin,   so   wie   ich   bin   mit     allen     Gefühlen     und     Empfindungen,     die     ich     in     diesem     Moment     habe.     Ich     anerkenne     den Persönlichkeitsanteil    in    mir,    der    festhalten    will    und    bringe    ihm    meine    Liebe    und    Wertschätzung entgegen.   Oft   sage   ich   dann   laut:   „Ich   stehe   zu   meinen   Gefühlen   und   ein   großer   Teil   in   mir   will   dieses und   jenes   nicht   loslassen,   weil   es   Angst   hat,   es   für   immer   zu   verlieren.“   Dabei   kann   es   sich   um   einen Lebenspartner,   um   Freunde   oder   materielle   Gegenstände   handeln.   Und   in   solchen   Momenten   geschieht das   Loslassen   plötzlich   ganz   von   alleine,   ich   fühle   mich   plötzlich   leicht   und   gelassen.   Es   ist   dann   so,   als würde eine tonnenschwere Last von mir abfallen. 2.) Dann    kommt    der    zweite    Schritt,    lieber    Leser:    Atme    wieder    ganz    normal,    lasse    das    Ein-    und Ausatmen   widerstandslos   geschehen.   Und   dann   denke   an   etwas,   was   Du   auf   gar   keinen   Fall   annehmen willst,   etwas,   wovor   Du   Dich   sperrst.   Nachdem   Du   ausgeatmet   hast,   atme   nicht   mehr   ein.   Weigere   Dich einzuatmen,   solange   es   Dir   möglich   ist.   Wiederhole   auch   diese   Übung   dreimal.   Auf   diese   Weise   zeigst   Du Deinem   Unterbewusstsein   wieder,   dass   das   Leben   ein   „Geben   und   Nehmen“   ist.   Wer   nicht   annehmen will,   der   blockiert   den   natürlichen   Lauf   der   Dinge.   Danach   atme   wieder   ganz   normal   und   spüre   die Leichtigkeit, wenn Du den Atemfluss nicht blockierst, wenn Du mit dem Leben in Harmonie fließt. 3.) Als   nächstes   denke   an   eine   belastende   Situation   aus   Deiner   Vergangenheit,   die   Dir   zu   schaffen machte.    Tauche    in    dieses    Gefühl    nochmal    ein    und    lasse    es    auf    Dich    wirken.    Erlebe    die    Situation gefühlstechnisch   so   real   wie   möglich.   Dann   atme   tief   ein   und   nimm   das   Geschehene   an.   Und   dann   atme aus und lass die Situation los. 4.) Der   nächste   Schritt   besteht   darin,   sich   an   eine   positive   Veränderung   zu   erinnern,   die   Dich   glücklich gestimmt   hat.   Bade   in   diesem   Gefühl   und   atme   dabei   ganz   tief   ein.   Dabei   stelle   Dir   vor,   wie   Du   die Veränderung   annimmst.   Beim   Ausatmen   stelle   Dir   vor,   wie   Du   die   eingeatmete   Energie   in   Deinem ganzen Körper verteilst. 5.) Und    im    abschließenden    Schritt    richte    Deine    Aufmerksamkeit    auf    ein    aktuelles    Problem    und überlasse   Dich   ganz   dem   normalen   Atemfluss.   Du   atmest   ein,   Du   atmest   aus.   Du   lässt   geschehen.   Du blockierst   nichts,   alles   ist   in   Harmonie,   Du   nimmst   an,   Du   lässt   los.   Du   hast   das   Spiel   des   Lebens   begriffen und legst Dir keine Steine mehr in den Weg. „Wenn   Du   etwas   loslässt,   bist   Du   etwas   glücklicher.   Wenn   Du   viel   loslässt,   bist   Du   viel   glücklicher.   Wenn   Du ganz loslässt, bist Du frei.“  (Ajahn Chah) Herzlichst, Eure Anke PS: Wir sehen uns im 2. Teil.
Loslassen Teil 1 (4/2018) Oft   halten   wir   innerlich   an   unseren   Problemen   fest, weil   wir   sie   als   Schutzpanzer   sehen.   Wir   haben   Angst davor,    den    nächsten    Entwicklungsschritt    zu    machen und    suchen    nach    Ausreden    („Ich    kann    keine    neue Beziehung     eingehen.     Nicht     nach     all     dem     Chaos, welches   ich   in   meiner   letzten   Beziehung   erlebte.“).   Das „Behaftetsein“   mit   vergangenen   Krisen   und   Traumatas (ob   bewusst   oder   unbewusst),   ist   der   Grund,   warum zahlreiche     unangenehme     Dinge     auch     heute     noch präsent     sind     in     unserem     Leben.     Unzufriedenheit aufgrund    vergangener    Geschehnisse    wirkt    wie    ein Gummiseil,       das       uns       immer       wieder       in       den disharmonischen Zustand zurück zieht. „Die   Vergangenheit   sollte   ein   Sprungbrett   sein,   nicht ein Sofa.“  (Harold Macmillan) Der   nächste   Schritt   besteht   somit   im   LOSLASSEN.   Es ist   wie   mit   einem   vollen   Glas   Wasser.   Man   kann   es nicht   mit   neuem,   frischem   Wasser   füllen.   Zuerst   muss man   das   alte,   abgestandene   Wasser   ausschütten.   Wenn wir    das    Alte    nicht    loslassen,    dann    entsteht    eine    Art Stau,   ein   innerer   Druck.   Wir   sollten   dabei   alle   nach folgender Devise gehen: „Kann   ich   ein   Problem   nicht   lösen,   löse   ich   mich vom Problem.“ Dazu   gehört   auch,   sich   von   Erwartungshaltungen   zu lösen.     Nehmen     wir     als     Beispiel     die     Erwartung, unbedingt    ein    Kind    haben    zu    müssen.    Zahlreiche Frauen   sehen   ungewollte   Kinderlosigkeit   als   schwere Krise   an,   wohingegen   Psychologen   solche   Phasen   als „Sollbruchstellen“   der   menschlichen   Seele   betrachten. In    diesen    Phasen    befasst    man    sich    mit    sich    selbst, ergründet,   warum   der   unerfüllte   Wunsch   so   schmerzt und   wie   man   trotzdem   weiter   leben   kann.   Das   lässt solche   Frauen   aus   psychologischer   Sicht   reifen   und   das eigene   Leben   neu   überdenken.   Man   lernt   loszulassen, man    lernt    den    JETZT-Zustand    anzunehmen,    man lernt   das   Leben   anders   zu   begreifen.   Hilfreich   ist   es dabei   für   die   Frauen   mit   dem   Kinderwunsch,   an   einen unerfüllten   Wunsch   aus   der   Vergangenheit   zu   denken, worüber   man   heute   froh   ist.   Und   oft   ist   es   dann   so, dass,    nachdem    man    seinen    Frieden    mit    der    Realität gemacht   hat,   es   dann   doch   zu   einer   Schwangerschaft kommt.    Man    schafft    durch    das    innerliche    Loslassen eine    gewisse    Leere,    denn    etwas    Neues    will    zu    uns kommen   und   das   braucht   Platz   und   Raum,   damit   es uns    „er-FÜLLEN“    bzw.    ausfüllen    kann.    Jede    Leere, jedes Vakuum möchte gefüllt werden. Im   Taoismus   wird   die   innere   Leere   als   sehr   nützlich angesehen    und    mit    einem    Blasebalg    verglichen,    der leer    ist,    aber    unerschöpflich    durch    seine    Bewegung ständig   etwas   Neues   hervorbringt.   Und   dadurch,   dass wir     leer     sind,     können     wir     Lösungen     für     unsere Problemlagen    empfangen.    Wären    wir    immer    noch „voll“,   dann   ginge   das   nicht.   Ich   selbst   war   einmal   in einer    Beziehung,    deren    Zeit    eigentlich    schon    längst abgelaufen   war,   aber   weil   ich   Angst   vor   dem   Alleinsein hatte,    hielt    ich    an    ihr    fest.    Das    Ergebnis:    Ich    war unglücklich,   stumpfte   innerlich   ab   und   verließ   diese Beziehung   zu   guter   Letzt   doch.   Danach   war   ich   Single und    hatte    Angst,    eine    neue    Beziehung    einzugehen. Aber     nichtsdestotrotz     muss     es     im     Lebensfluss     zu Veränderungen kommen. Es   gibt   den   Schritt   zurück   nicht,   der   Fluss   fließt   nur   in eine   Richtung.   Unsere   Entwicklung   schreitet   ständig voran,    wir    sind    heute    nicht    derselbe    Mensch    wie gestern.   Der   gestrige   Tag   existiert   nicht   länger,   es   gibt immer   nur   das   JETZT,   jeder   einzelne   Lebensmoment ist   ein   „point   of   no   return“,   man   verlässt   immer   wieder die   bisherige   „Heimat-Zone“,   die   uns   so   vertraut   und familiär   vorkommt.   Das   ganze   Leben   ist   ein   ständiges Loslösen   von   Gewohntem   und   Bekanntem   –   und   das fällt   den   meisten   Menschen   nicht   leicht   (selbst   dann, wenn   das   Gewohnte   uns   vielleicht   das   Leben   schwer macht,     so     wie     z.B.     eine     unglücklich     machende Beziehung oder ein Job, der nicht zu uns passt). „Es   ist   anstrengend,   etwas   Neues   zu   entdecken.   Also ziehen   wir   es   vor,   zu   bleiben,   wie   wir   sind.   Und   da   liegt die eigentliche Schwierigkeit.“  (Krishnamurti) Das      ganze      Leben      besteht      aus      Annehmen      (die Gegenwart)      und      Loslassen      (die      Vergangenheit). Denken   wir   dabei   nur   Mal   ans   Ein-   und   Ausatmen. Halten   wir   die   Luft   an,   ersticken   wir.   Ebenso   können wir   nicht   ewig   einatmen.   Menschen,   Dinge,   Umstände, Gedanken,      Gefühle,      Ansichten,      Meinungen      und Glaubensmuster   sind   wie   der   Atem:   Sie   kommen   und gehen.   Wir   können   nichts   ewig   behalten,   irgendwann müssen   wir   es   ja   doch   loslassen.   Und   halten   wir   uns dabei   vor   Augen,   dass   dies   ein   Naturgesetz   ist.   Alles, was   natürlich,   alles   was   echt   ist,   ist   vergänglich   und geht   irgendwann.   Nur   das   Unechte   besteht   in   der   ewig gleichen   Form.   Echte   Blumen   blühen   und   verwelken, Kunstblumen bleiben gleich. Eine   Möwe   erhob   sich   in   den   Himmel;   im   Schnabel hatte   sie   ein   Stück   Fleisch.   Andere   Möwen   erspähten den    Leckerbissen    im    Schnabel    ihrer    Kameradin    und verfolgten   sie,   um   ihr   das   Fleisch   abzujagen.   Erbittert wurde   die   Möwe   angegriffen.   Schließlich   ließ   sie   das Fleisch    fallen;    die    Verfolger    ließen    von    ihr    ab    und flogen   kreischend   dem   Bissen   nach.   Die   Möwe   atmete auf   und   sagte:   „Jetzt   ist   es   friedlich   hier   oben.   Der   ganze Himmel gehört mir.“ Dieses   „Märchen“   hat   einen   tiefen   und   wahren   Kern. Es   verdeutlicht   auf   eindrucksvolle   Weise,   wie   sehr   wir oftmals    an    etwas    festhalten,    was    unser    Lebensglück behindert.    Wie    oft    finden    wir    uns    in    Situationen wieder,    in    denen    es    uns    inneren    Frieden    bringen würde,   wenn   wir   einfach   nur   loslassen   würden?   Und Fakt   ist,   dass   wir   alle   das   lernen   können,   denn   wir   alle konnten   es   einmal.   Schau   Dir   Kleinkinder   an.   In   der einen   Minute   lachen   sie,   dann   weinen   sie   und   dann lachen    sie    wieder.    Für    Kinder    entsteht    die    Welt    in jedem   einzelnen   Augenblick   vollkommen   neu,   sie   sind präsent   im   gegenwärtigen   Augenblick   und   lassen   alles Vergangene    los.    Wenn    sie    vor    zwei    Minuten    noch geweint   haben   und   jetzt   in   der   Lage   sind   herzlich   zu lachen,   dann   können   sie   das   nur,   weil   sie   das   Erlebnis vor   zwei   Minuten   vollständig   losgelassen   haben.   Ein Kleinkind   lebt   alle   Gefühle   authentisch   und   lässt   sie aus sich raus, und somit lässt es sie auch los. „Die    meiste    Zeit    wird    damit    vergeudet,    festzuhalten, was man längst verloren hat.“  (Pablo Picasso) Wenn   ich   etwas   zu   verlassen   beabsichtige,   was   mich schwingungsmäßig      runter      zieht      (Beziehung,      Job, Wohnung   usw.),   dann   nehme   ich   mir   zuerst   vor,   meine Schwingung    so    zu    gestalten,    dass    ich    mich    von    den belastenden   Dingen   „in   Frieden   und   Freude“   trennen kann.   Geht   also   eine   Beziehung   in   die   Brüche,   dann gibt    es    keinen    handfesten    Krach,    sondern    mein    Ex- Partner   und   ich   bleiben   Freunde   (oder   zumindest   sind wir   keine   Feinde).   Ich   möchte   positiv   schwingen   und keinen   seelischen   Ballast   mitnehmen,   denn   das   wären schlechte      Voraussetzungen      für      einen      positiven Neuanfang.    Wenn    ich    also    in    der    Lage    bin,    meine Schwingung    zu    harmonisieren    (z.B.    mit    Hilfe    von Salzwasser-Tanks,          Meditation,          Chi-Maschine, Entspannungsmassagen,   Spaziergängen   in   der   Natur, Treffen   mit   Freunden…),   dann   kann   ich   mich   auch   mit der    gegenwärtigen    Situation    besser    anfreunden    und leichter vorwärtsschreiten. „Wer     den     Fluss     überquert,     muss     die     eine     Seite verlassen.“  (Gandhi) Loslassen      klingt      so      einfach,      aber      die      meisten Menschen   tun   sich   schwer   damit.   Wie   lässt   man   etwas los,   woran   man   festhalten   will?   Folgende   Atemübung hat mir sehr geholfen: 1.) Atme   ganz   normal.   Dann   denke   an   etwas,   was Du      unbedingt      behalten      und      unter      keinen Umständen   loslassen   möchtest.   Atme   tief   ein   und dann   halte   den   Atem   an,   solange   es   Dir   möglich ist.    Diese    Übung    wiederhole    bitte    dreimal.    Sie suggeriert       Deinem       Unterbewusstsein,       dass Blockaden    jeglicher    Art    Dir    nicht    gut    tun.    An etwas    festhalten    ist,    als    würde    man    den    Atem anhalten    -    es    ist    zu    100%    disharmonisch.    Der Atemfluss   steht   für   den   Lebensfluss   und   der   will ungehindert   fließen.   Ich   nehme   in   diesem   ersten Schritt   mein   Festhalten   innerlich   an   und   sage   mir, dass   ich   mich   liebe   und   achte,   auch   wenn   ich   an Vergangenem   festhalte.   Ich   verurteile   mich   nicht dafür   und   sage   mir,   dass   ich   okay   bin,   so   wie   ich bin   –   mit   allen   Gefühlen   und   Empfindungen,   die ich   in   diesem   Moment   habe.   Ich   anerkenne   den Persönlichkeitsanteil    in    mir,    der    festhalten    will und   bringe   ihm   meine   Liebe   und   Wertschätzung entgegen.    Oft    sage    ich    dann    laut:    „Ich    stehe    zu meinen   Gefühlen   und   ein   großer   Teil   in   mir   will dieses   und   jenes   nicht   loslassen,   weil   es   Angst   hat, es   für   immer   zu   verlieren.“   Dabei   kann   es   sich   um einen   Lebenspartner,   um   Freunde   oder   materielle Gegenstände   handeln.   Und   in   solchen   Momenten geschieht   das   Loslassen   plötzlich   ganz   von   alleine, ich   fühle   mich   plötzlich   leicht   und   gelassen.   Es   ist dann   so,   als   würde   eine   tonnenschwere   Last   von mir abfallen. 2.) Dann   kommt   der   zweite   Schritt,   lieber   Leser: Atme    wieder    ganz    normal,    lasse    das    Ein-    und Ausatmen    widerstandslos    geschehen.    Und    dann denke    an    etwas,    was    Du    auf    gar    keinen    Fall annehmen   willst,   etwas,   wovor   Du   Dich   sperrst. Nachdem   Du   ausgeatmet   hast,   atme   nicht   mehr ein.    Weigere    Dich    einzuatmen,    solange    es    Dir möglich      ist.      Wiederhole      auch      diese      Übung dreimal.     Auf     diese     Weise     zeigst     Du     Deinem Unterbewusstsein    wieder,    dass    das    Leben    ein „Geben    und    Nehmen“    ist.    Wer    nicht    annehmen will,   der   blockiert   den   natürlichen   Lauf   der   Dinge. Danach   atme   wieder   ganz   normal   und   spüre   die Leichtigkeit,     wenn     Du     den     Atemfluss     nicht blockierst,   wenn   Du   mit   dem   Leben   in   Harmonie fließt. 3.) Als      nächstes      denke      an      eine      belastende Situation    aus    Deiner    Vergangenheit,    die    Dir    zu schaffen   machte.   Tauche   in   dieses   Gefühl   nochmal ein    und    lasse    es    auf    Dich    wirken.    Erlebe    die Situation    gefühlstechnisch    so    real    wie    möglich. Dann   atme   tief   ein   und   nimm   das   Geschehene   an. Und dann atme aus und lass die Situation los. 4.) Der   nächste   Schritt   besteht   darin,   sich   an   eine positive     Veränderung     zu     erinnern,     die     Dich glücklich    gestimmt    hat.    Bade    in    diesem    Gefühl und   atme   dabei   ganz   tief   ein.   Dabei   stelle   Dir   vor, wie      Du      die      Veränderung      annimmst.      Beim Ausatmen   stelle   Dir   vor,   wie   Du   die   eingeatmete Energie in Deinem ganzen Körper verteilst. 5.) Und   im   abschließenden   Schritt   richte   Deine Aufmerksamkeit    auf    ein    aktuelles    Problem    und überlasse   Dich   ganz   dem   normalen   Atemfluss.   Du atmest   ein,   Du   atmest   aus.   Du   lässt   geschehen.   Du blockierst     nichts,     alles     ist     in     Harmonie,     Du nimmst    an,    Du    lässt    los.    Du    hast    das    Spiel    des Lebens   begriffen   und   legst   Dir   keine   Steine   mehr in den Weg. „Wenn    Du    etwas    loslässt,    bist    Du    etwas    glücklicher. Wenn   Du   viel   loslässt,   bist   Du   viel   glücklicher.   Wenn Du ganz loslässt, bist Du frei.“  (Ajahn Chah) Herzlichst, Eure Anke PS: Wir sehen uns im 2. Teil
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